Foto: Ulrich Wagner
Artikel Augsburger Allgemeine vom
Freitag, 29.April 2016

Ein einzigartiges Sozialprojekt für Schwaben
Eröffnung Das Ellinor-Holland-Haus ist eine Heimat für Menschen, deren Leben aus dem Tritt geraten ist. Ein Zuhause auf Zeit. Zwei Drittel der Wohnungen sind bereits belegt. Für die Kartei der Not bedeutet das einen Meilenstein.

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Foto: Ulrich Wagner
Ein Zuhause auf Zeit
Im Ellinor-Holland-Haus finden Hilfsbedürftige ein sicheres Heim. Die Einzelfallhilfe der Kartei der Not läuft weiter wie bisher

Der Jubelschrei am anderen Ende der Telefonleitung gellt so laut, dass Monika Lechner den Hörer vom Ohr nehmen muss. Die Mitarbeiterin der Kartei der Not hat gerade einer verzweifelten alleinerziehenden Mutter eine frohe Botschaft überbracht. Maria K. (Name geändert), deren bisheriges Leben von Sorgen geprägt war, darf mit ihren drei kleinen Kindern Anfang 2016 ins Ellinor-Holland-Haus ziehen. Dort will sie endlich eine Berufsausbildung machen, lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, und gleichzeitig für ihre Mitbewohner da sein. Wie Maria K. setzen viele verzweifelte Menschen ihre ganze Hoffnung auf das Ellinor-Holland-Haus. In diesen Tagen mischt sich dort noch Kinderlachen mit Baulärm. Ausgelassen spielen Mädchen und Buben in der Kindertagesstätte, die bereits seit September in Betrieb ist. Unterdessen sind in den künftigen Wohnungen und Gemeinschaftsräumen Handwerker mit den allerletzten Arbeiten beschäftigt. Hier, im Augsburger Textilviertel schlägt die Kartei der Not, das Leserhilfswerk unserer Zeitung, ein völlig neues Kapitel des sozialen Engagements in der Region auf.
In dem Bau werden ab 2016 rund 80 notleidende Menschen in 28 Wohnungen ein beschütztes Zuhause auf Zeit finden. Alleinerziehende mit Kindern, Familien mit behinderten Kindern, Senioren sowie chronisch kranke oder behinderte Menschen erhalten hier Unterstützung auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
Benannt ist das Haus nach einer Frau, die als Kriegsflüchtling selbst bittere Entbehrungen litt und sich deshalb dem Kampf gegen die Not in unserer Mitte verschrieben hat: Ellinor Holland. Die 2010 verstorbene Herausgeberin unserer Zeitung hob vor 50 Jahren die Kartei der Not aus der Taufe. Das Leserhilfswerk hat sich unter ihrer Leitung stetig weiterentwickelt. Mit rund 40 Millionen Euro konnte die Not in unserer Heimat seither gelindert werden. Heute hilft die Kartei jährlich rund 2500 Mal, wenn Menschen aus der Region ohne eigene Schuld in Schwierigkeiten geraten.
Ellinor Holland träumte von einem großen Projekt, das auch den Menschen hilft, denen mit einer einmaligen finanziellen Unterstützung nur unzureichend geholfen werden kann. Jenen Menschen, die ein ganzes Paket von Problemen mit sich herumschleppen - und an dieser Last zu zerbrechen drohen. Doch Ellinor Holland hatte nicht mehr die Zeit, dieses Projekt umzusetzen.
Seit ihrem Tod führen ihre Töchter Ellinor Scherer und Alexandra Holland das Leserhilfswerk in die Zukunft. Sie griffen die Idee ihrer Mutter auf und entwickelten ein Hilfsprojekt, das bundesweit bereits jetzt als vorbildhaft gilt. Ellinor Scherer und Alexandra Holland: „Mit dem Ellinor-Holland-Haus wollen wir Menschen helfen, die nach einem schweren Schicksalsschlag für eine Übergangszeit Unterstützung und Beratung im Rahmen eines betreuten Wohnens brauchen.“ So ist das Ellinor-Holland-Haus weit mehr als nur ein Wohnheim. Im Gebäude gibt es etwa einen Tante-Emma-Laden mit Café. Mit beiden hat es eine besondere Bewandtnis. Hier sind längst nicht nur die Bewohner willkommen. Auch Anwohner und Gäste können in den einladend-modern gestalteten Räumen ein selbst gekochtes Mittagessen genießen oder den Einkauf erledigen. So wird das Ellinor-Holland-Haus zu einer Begegnungsstätte für die ganze Nachbarschaft. Doch das Entscheidende ist: Im Laden und im Café können Hausbewohner eine Ausbildung absolvieren - im Einzelhandel oder in der Gastronomie. Das ist sogar in Teilzeit möglich - wichtig vor allem für Alleinerziehende wie Maria K.. Hier kooperiert die Kartei der Not mit dem Augsburger Bildungsdienstleister BIB - das steht für „Bildung, Integration und Beruf“.
Das Berufsbildungsangebot, so zeigt sich bereits jetzt, ist für manche der künftigen Hausbewohner ein wahrer Rettungsanker. Maria K. etwa hat schon früh Kinder bekommen. Dadurch ist sie in Sachen Ausbildung ins Hintertreffen geraten. Nachdem die Beziehung zum Vater der Kinder zerbrochen ist, will sie endlich auf eigenen Beinen stehen. Bisher lebte sie in einer Jugendhilfeeinrichtung, bald zieht sie ins Ellinor-Holland-Haus, um ihrem Leben eine neue Richtung zu geben.
Wenn die junge Frau im Tante-Emma-Laden eine kaufmännische Ausbildung macht, werden ihre Kinder bestens versorgt. Die vom Arbeiter-Samariter-Bund Augsburg betriebene Kindertagesstätte mit Platz für 75 Kinder - auch aus der Nachbarschaft - arbeitet nach dem Montessori-Prinzip. Das Motto lautet: Hilf mir, es selbst zu tun. „Ein Gedanke, der besonders gut zur Kartei der Not passt“, finden Ellinor Scherer und Alexandra Holland. Hilfe zur Selbsthilfe - das wünschen sich auch die großen Hausbewohner wie Maria K. Sie finden im Ellinor-Holland-Haus jemanden, der an sie glaubt, ihnen Mut macht und mit ihnen Pläne für eine bessere Zukunft schmiedet. Jemand, der sich kümmert. Im Konzept des Projekts ist ein solcher „Kümmerer“ von Anfang an ein Eckpfeiler.
Der Kümmerer, das war klar, muss über große Erfahrung in der Sozialarbeit verfügen, Nerven wie Drahtseile haben, mitfühlend, aber auch mal streng sein können. Auf Susanne Weinreich trifft das zu. Die Sozialpädagogin hat ihre Arbeit bereits aufgenommen und wird den Hausbewohnern künftig zur Seite stehen. Derzeit läuft die Auswahl der künftigen Bewohner. In den Gesprächen mit den Bewerbern geht es vor allem um die Motivation, den Willen zur Veränderung. „Wir werden mit jedem eine Art Reiseplan in die Unabhängigkeit aufstellen“, sagt sie. Nach etwa drei Jahren sollen die Bewohner die Ziele erreicht haben. Dann werden sie wieder ausziehen. Und was passiert danach?
„Niemand wird alleingelassen“, sagt Susanne Weinreich. Die Kartei der Not werde die ehemaligen Bewohner weiter mit Rat und Hilfe unterstützen. Die meisten Bewohner werden laut Susanne Weinreich alleinerziehende Mütter und ihre Kinder sein. Aber auch andere Menschen, die durch Behinderung, Krankheit, einen Schicksalsschlag oder eine Familientragödie aus dem normalen Leben katapultiert worden sind, finden ein Zuhause. Meist haben sie einen langen Leidensweg hinter sich. Im Ellinor-Holland-Haus bekommen sie Hilfe für den erfolgreichen Neustart.
Ihr Leben wieder in den Griff bekommen möchte auch die 35 Jahre alte Gisela C. (Name geändert), die zwei Kinder im Schulalter hat. Durch eine schwere Krankheit ist sie aus dem Berufsleben geworfen worden, konnte dadurch ihre Wohnung nicht halten. Ihr Ziel ist es, im Ellinor-Holland-Haus den Wiedereinstieg in den Beruf zu schaffen und sich in der neuen Situation zurechtzufinden.
Unter den künftigen Bewohnern ist auch die Seniorin Ruth L. (Name geändert), die nur sehr wenig Rente bekommt. Sie will nicht alleine leben, fühlt sich noch zu jung, um in ein Seniorenheim zu ziehen. Im Ellinor-Holland-Haus freut sie sich auf die Gemeinschaft, will sich einbringen. Etwa, indem sie mal als „Leih-oma“ die Kinder von Maria K. hütet - während diese ihre Ausbildung absolviert. Auch Nachbarschaftshilfe unter den Bewohnern ist Teil des Konzepts. Jeder soll sich nach seinen Fähigkeiten und Kenntnissen einbringen: Nähkurse geben, kochen, kleine Renovierungsarbeiten ausführen, gärtnern …
Auch bisher hätten die Menschen, die jetzt in das Ellinor-Holland-Haus ziehen, mit der Hilfe der Kartei der Not rechnen können - etwa mit einer Beihilfe für Möbel oder einem Zuschuss zum Umzug. In ähnlichen Fällen hat das Leserhilfswerk im Laufe der Jahre tausende Male geholfen. Und wird dies auch in Zukunft tun. „Die bewährte Einzelfallhilfe geht natürlich unverändert weiter“, betonen Ellinor Scherer und Alexandra Holland. „Doch mit dem Ellinor-Holland-Haus hat die Kartei der Not nun ganz neue Möglichkeiten, unverschuldet in Not geratenen Menschen aus unserer Heimat unter die Arme zu greifen. Wir können nun noch nachhaltiger helfen.“
Maria K. jedenfalls ist fest entschlossen, die Chance zu nutzen. „Jetzt wird alles gut“, sagt sie. Und schreit gleich noch mal laut ins Telefon - vor lauter Glück.
(Von Bernhard Junginger)


Foto: Ulrich Wagner
Ein Impuls für den ganzen Stadtteil
Bald ziehen die ersten Bewohner ins Ellinor-Holland-Haus ein. Das Textilviertel soll davon profitieren. Wie sich Anwohner und Nachbarn einbringen können und wie die Universität Augsburg das Projekt begleitet

Solche Nachrichten sind im Baugewerbe selten: Das Ellinor-Holland- Haus liegt zwei Wochen vor dem Zeitplan. Anfang 2016 werden im Textilviertel die ersten Bewohner einziehen. Damit eröffnet in Augsburg eine Einrichtung, die bundesweit als Pilotprojekt gilt. Initiator ist die Kartei der Not. Seit 50 Jahren unterstützt sie Menschen in der Region, die unverschuldet in Not geraten sind. Im Jubiläumsjahr „wagt“ sich die Stiftung nun erstmals an ein eigenes Großprojekt: Menschen in Krisensituationen werden im Ellinor- Holland-Haus vorübergehend eine neue Bleibe finden, bis sie wieder in der Lage sind, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Das Angebot richtet sich an Alleinerziehende mit ihren Kindern, an Familien oder auch Senioren in schwierigen Situationen. Das Konzept des Hauses ist in jeder Hinsicht auf Gemeinschaft ausgelegt: Die Bewohner sollen sich gegenseitig Halt und Hilfe geben, sie werden dabei von einem Sozialarbeiter und Ehrenamtlichen unterstützt. Gleichzeitig will das Ellinor-Holland-Haus in den Stadtteil hineinwirken: Es gibt einen Laden mit Café, in dem sich Bewohner und Nachbarn treffen können. Angeschlossen ist auch ein Kinderhaus, das nicht nur den Nachwuchs der Hausbewohner aufnimmt, sondern auch den aus dem Textilviertel. Der Lehrstuhl für Pädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenen- und Weiterbildung der Universität Augsburg begleitet das Projekt wissenschaftlich. Lehrstuhlinhaberin Prof. Dr. Elisabeth Meilhammer und ihr Team bieten drei Seminare für Studenten an. Es geht um Themen wie die Messbarkeit von Erfolg, um organisatorische Fragen, um Stadtteilentwicklung als Aufgabe der Erwachsenenbildung und darum, wie das Ellinor-Holland-Haus sich im Stadtteil etabliert. Aus diesem Grund wird die Universität demnächst eine Umfrage im Textilviertel starten. Fragebögen werden verteilt, Passanten auf der Straße interviewt. Sie können den Studenten mitteilen, welche Hoffnungen sie in das Ellinor-Holland-Haus setzen, welche Erwartungen, wie sie sich das Zusammenspiel der Einrichtung mit den Stadtteilbewohnern vorstellen und vieles mehr. „Gemeinsam geht’s“ – nach diesem Motto der Kartei der Not können sich Engagierte vielfältig einbringen. Derzeit freut sich die Stiftung über Unterstützer für den Spielplatz, der auf dem Freigelände entstehen wird. Weitere Paten sind jederzeit willkommen.

Ellinor Scherer, die Kuratoriumsvorsitzende der Kartei der Not, sieht der Eröffnung des Ellinor-Holland-Hauses mit Freude entgegen. „Wir heben das Lebenswerk unserer Mutter Ellinor Holland auf eine neue Ebene und reagieren damit auch auf die Veränderungen in unserer Gesellschaft.“ Denn eines haben sie und ihre Schwester Alexandra Holland, die stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende, in vielen Jahren des Engagements für die Kartei der Not erfahren: Während manchen Menschen in Krisensituationen bereits ein kleiner finanzieller Anschub hilft, brauchen andere Jahre, um wieder Fuß zu fassen. Entsprechend ist die Verweildauer im Ellinor-Holland-Haus auf bis zu drei Jahre angelegt. Die Einzelfallhilfe wird, das versichern Scherer und Holland, aber auch künftig ein wichtiges Standbein der Kartei der Not sein. 2800 Anfragen erreichten die Stiftung allein im vergangenen Jahr. Oft geht es nur um kleine Dinge wie ein neues Brillengestell oder ein Haushaltsgerät, manchmal fällt die Hilfe umfassender aus. Eben dies ist es, was die Kartei der Not seit 50 Jahren ausmacht: Sie hilft schnell, unbürokratisch und so, wie es für die Notleidenden am besten ist. (Nicole Prestle)


Foto: Bernhard Weizenegger
„Ein ehrgeiziges Modellprojekt“
Kartei der Not Landesstiftung unterstützt Bau des Ellinor-Holland-Hauses mit 660 000 Euro

Augsburg Mit 660 000 Euro fördert die Bayerische Landesstiftung den Bau des Ellinor-Holland-Hauses. Georg Winter, CSU-Landtagsabgeordneter aus Höchstädt und Mitglied des Stiftungsrates, übergab symbolisch einen Scheck an Ellinor Scherer, Kuratoriumsvorsitzende der Kartei der Not. Winter nannte dabei die Entscheidung, im Augsburger Textilviertel ein Modellprojekt zu schaffen, „mutig und innovativ“. Das Konzept sei neu, „dass verschiedene Zielgruppen, die eine Starthilfe und vorübergehende Begleitung benötigen, zusammenleben und pädagogisch betreut werden“.
Der CSU-Politiker bezeichnete die Maßnahme als „sinnvoll und notwendig“. Sein Dank gelte der Kartei der Not, der Stiftung und den vielen Spendern, die dazu beigetragen hätten, „dass dieses ehrgeizige Projekt angepackt werden konnte“.
Ellinor Scherer bedankte sich für die „großartige Unterstützung“. Sie sei stolz, so die Kuratoriumsvorsitzende, dass nach fast fünf Jahrzehnten der Einzelfallhilfe mit dem Bau des Ellinor-Holland-Hauses ein neues Kapitel in der Unterstützung unverschuldet in Not geratener Menschen aufgeschlagen wurde. Die Kartei der Not, versicherte Scherer, werde sich darüber hinaus auch in Zukunft wie bisher um die „vielen Einzelschicksale in der Region“ kümmern.
Das Ellinor-Holland-Haus, das im Rahmen eines gemeinschaftlich, zeitlich befristeten betreuten Wohnens Menschen in Krisensituationen hilft, wird Anfang 2016 eröffnet. Direkt neben dem Wohngebäude entsteht das Ellinor-Holland-Kinderhaus für Krippen-, Kindergarten und Hortkinder unter der Trägerschaft des Arbeiter-Samariter-Bundes. Start der Kindertageseinrichtung ist im September 2015. (jös)


Foto: Ulrich Wagner
Eine Vision wird Wirklichkeit
Soziales Wenn das Leben aus der Bahn gerät, ist oft mehr als eine kurzfristige Hilfe nötig. Genau da setzt das Ellinor-Holland-Haus an. 2016 werden die ersten Menschen dort einziehen.

Augsburg Manchmal kann es ganz schnell gehen. Plötzlich und ohne Vorwarnung gerät das Leben aus den Fugen. Fast fünfzig Jahre leistet die Kartei der Not, das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck und des Allgäuer Zeitungsverlags, Menschen aus der Region in solchen Fällen eine unbürokratische, finanzielle Hilfe.

Ellinor Holland, Gründerin der Stiftung Kartei der Not, hatte den Traum, Menschen auch über die Einzelfallhilfe hinaus zu helfen. Das Stiftungskuratorium der Kartei der Not hat diesen Traum weiterentwickelt. Denn oft reicht eine einmalige Finanzspritze nicht aus, um Menschen wieder ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Das Ellinor-Holland-Haus - ein „Quantensprung“ in der Geschichte der Kartei der Not, wie Theo Waigel, Schirmherr des Projekts, formulierte - greift genau da an. Das Gebäude, das im Augsburger Textilviertel gebaut wird, soll für Menschen aus der Region in existenziellen Notlagen ein Zufluchtsort sein.
Das Hilfsangebot richtet sich vor allem an Alleinerziehende und Familien mit Kindern oder etwa Mütter, die mit ihren Kindern eine Wohnung nach einem Frauenhausaufenthalt suchen. Aber auch für Senioren soll das Ellinor-Holland-Haus eine Heimat bieten. Voraussetzung für die Aufnahme ist die Bereitschaft, an der eigenen Situation zu arbeiten und sich in die Gemeinschaft einzubringen. Direkt neben dem Wohnhaus entsteht das Ellinor-Holland-Kinderhaus - eine Kindertageseinrichtung für Krippen-, Kindergarten- und Hortkinder. Träger ist der Arbeiter-Samariter-Bund Augsburg. Hier sollen Bewohnerkinder, aber auch Kinder aus der Nachbarschaft betreut werden. Abgerundet wird das Wohnkonzept durch ein Ausbildungsprojekt der Bildungsinitiative BIB, in dessen Rahmen ein Tante-Emma-Laden und ein Café betrieben werden sollen. Ein Sozialarbeiter wird sich als „Kümmerer“ der Sorgen der Hausbewohner annehmen und Gemeinschaftsaktivitäten organisieren.
Bei einer Informationsveranstaltung im Augsburger Medienzentrum stellte die stellvertretende Vorsitzende des Stiftungskuratoriums und Herausgeberin der Augsburger Allgemeinen, Alexandra Holland, das Projekt vor. Fast 250 Gäste aus Politik, Wirtschaft und dem Sozialbereich - Freunde und Förderer der Kartei der Not - waren anwesend. Rupert Hackl von den Neuburger Lions und Heimatverleger Hans-Peter Ziegler aus Krumbach überreichten Schecks in Höhe von je 5000 Euro. „Sie alle zeigen ein Herz für die Kartei der Not und dass Sie Verantwortung für die Menschen in der Region übernehmen, die unverschuldet in Not geraten sind“, dankte Holland. Nach dem Spatenstich vor knapp einem Jahr ist der Rohbau inzwischen fast fertig. Das Kinderhaus wird voraussichtlich im September 2015 seinen Betrieb aufnehmen und 2016 können die ersten Wohnungen bezogen werden. Kuratoriumsvorsitzende Ellinor Scherer freut sich: „Das Ellinor-Holland-Haus ist die Verwirklichung einer ganz großen Vision meiner Mutter.“ Der Architekt Thomas Glogger habe sehr treffend formuliert: Das Projekt steht von Anfang an unter einem guten Stern. (Stefan Reinbold)


Foto: Silvio Wyszengrad
Ein Herz für Menschen in Krisen
Kartei der Not Stadtsparkasse unterstützt neues Ellinor-Holland-Haus Neubauten entstehen derzeit im Augsburger Textilviertel an vielen Ecken. Auf einem Grundstück in der Nähe des Glaspalasts nimmt seit dem Frühjahr ein Gebäude Formen an, mit dem die Stiftung Kartei der Not neue Wege geht: Im Ellinor-Holland-Haus finden voraussichtlich ab Anfang 2016 bis zu 100 Menschen aus der Region ein Zuhause auf Zeit.
Zielgruppe sind Menschen in Not und Krisensituationen - unter anderem Alleinerziehende oder Familien mit behinderten Kindern. Sie können hier unter professioneller Betreuung Kraft schöpfen und Zukunftspläne entwickeln. Ein Tante-Emma-Laden mit Café und eine integrative Kindertagesstätte im Nachbargebäude, die bereits im September 2015 eröffnen soll, runden das Angebot ab.
Gestern machte sich Rolf Settelmeier, Vorstandsvorsitzender der Stadtsparkasse, ein Bild von der Baustelle. Er hatte ein schönes Geschenk dabei, eine Spende in Höhe von 5000 Euro für das Modellprojekt der Kartei der Not. "Es ist Teil unserer Firmenkultur, Bedürftige zu unterstützen", sagte er. Da passe die Spende für das Ellinor-Holland-Haus wunderbar dazu. Auch die Mitarbeiter in den Filialen der Stadtsparkasse würden ebenso wie das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck täglich mit wirtschaftlicher Not und Schicksalsschlägen konfrontiert.
Ellinor Scherer, die Kuratoriumsvorsitzende der Kartei der Not, freute sich sehr über die "zweckgebundene Großspende" für das Mehrgenerationenprojekt. Schließlich kommt das Geld einem Vorhaben zugute, mit dem das Lebenswerk ihrer Mutter, der Stiftungsgründerin Ellinor Holland, fortgesetzt wird. (bau)


Foto: Ulrich Wagner
Baubeginn für das Ellinor-Holland-Haus
Kartei der Not Modellprojekt soll Menschen in Krisensituationen ein Zuhause auf Zeit bieten.
Augsburg Es sind große und auch kleinere Schicksalsschläge, die Menschen aus der Bahn werfen. Menschen, die damit unverschuldet in Not geraten und die Hilfe brauchen, um wieder ins Leben zurückzufinden. Die Kartei der Not, das Hilfswerk der Mediengruppe Pressedruck, unterstützt sie seit fast 50 Jahren unbürokratisch - und bald auch mit einem Modellprojekt.
In diesen Tagen war im Augsburger Textilviertel Baubeginn für das Ellinor-Holland-Haus, das Anfang 2016 fertiggestellt sein soll. In dem Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Glaspalast sollen rund 100 Menschen aus der gesamten Region, vor allem Alleinerziehende mit Kindern, Familien mit behinderten Kindern, Schwerbehinderte, chronisch Kranke und Senioren für einen begrenzten Zeitraum ein Zuhause finden. Ein Sozialarbeiter hilft den Bewohnern bei der Bewältigung ihrer Krisensituation, der Entwicklung von Zukunftsplänen und dem übergang in die Normalität. Im Ellinor-Holland-Haus sind zudem ein Tante-Emma-Laden und ein Café untergebracht. Angeschlossen ist eine integrative Kindertagesstätte, die in Kooperation mit dem Arbeiter-Samariter-Bund betrieben wird. In ihr sollen Kinder der Bewohner, aber auch aus der Nachbarschaft Platz finden. Zuschüsse für die Kindertagesstätte sind bisher von der Stadt Augsburg, dem Land Bayern und der Aktion Mensch zugesagt.
Ellinor Scherer, Vorsitzende des Kuratoriums der Kartei der Not, sagte, mit dem Mehrgenerationen-Projekt werde das Lebenswerk ihrer Mutter, der Stiftungsgründerin Ellinor Holland, fortgesetzt. Die stellvertretende Kuratoriumsvorsitzende Alexandra Holland nannte als Antrieb für die Baumaßnahme „Verantwortung zu übernehmen für Menschen in der Region, die schwere Zeiten durchleben“. (jös, Samstag 07.06.2013 Augsburger Allgemeine)


Foto: Fred Schöllhorn
Gestern war Spatenstich für das Ellinor-Holland-Haus. Ellinor Scherer und Alexandra Holland vom Kuratorium der Kartei der Not und Töchter der Namensgeberin Ellinor Holland möchten mit diesem Projekt Verantwortung übernehmen für Menschen in der Region, die schwere Zeiten durchleben. Das Haus solle Schutz- und Erholungsraum werden, in dem Menschen in Krisensituationen ein bis drei Jahre Kraft tanken für ein selbstbestimmtes, besseres Leben. Mit dem Projekt geht ein lang gehegter Traum in Erfüllung, ein Traum von Ellinor Holland, nach der das Haus nun benannt wird.

"Eine neue Dimension der Hilfe" nannten Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl und der schwäbische Regierungspräsident Karl-Michael Scheufele das Modellprojekt gestern beim feierlichen Spatenstich, dem viele Gäste aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und dem Sozialbereich beiwohnten. Denn ein Netzwerk der Hilfe zu bilden für Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, werde immer wichtiger. Das wurde bei der Veranstaltung einmal mehr deutlich - und dies soll durch das Ellinor-Holland-Haus ein Stück mehr verwirklicht werden.

Besonderer Dank gebührte dabei den Mitgliedern des Gremiums Ellinor-Holland-Haus: dem früheren Regierungspräsidenten Ludwig Schmid, Stadtdekanin Susanne Kasch, Horst Erhardt (Bunter Kreis) sowie dem Unternehmer und Mäzen Hubert Stärker.

Einziehen können die Bewohner voraussichtlich im Jahr 2015. Dann gibt es gleichzeitig noch etwas zu feiern: Die Kartei der Not wird 50 Jahre alt.


Foto: Ulrich Wagner
Das Ellinor-Holland-Haus wird im Augsburger Textilviertel neben dem Glaspalast seine Heimat finden. Das ehemalige Arbeiterviertel ist heute ein sich rasch entwickelnder Stadtteil mit renovierter und neuer Wohnbebauung und gemischter Bevölkerungsstruktur. In diesen Stadtteil kann das Ellinor-Holland-Haus hinein- und mitwachsen, es bietet als Stadtteilzentrum Treffmöglichkeiten und mit seiner Kindertagesstätte und dem kleinen Laden und Café einen zentralen Punkt im sozialen Leben


Skizze: Thomas Glogger
22 Wohnungen für Alleinerziehende und Familien mit Kindern sind geplant, sowie etwa drei Appartements für Senioren. Im Ellinor-Holland-Haus werden rund 100 Menschen leben. Das Ellinor-Holland-Haus und seine sämtlichen Bereiche samt Außenanlagen sind barrierefrei, zwei Wohnungen werden behindertengerecht sein.
Mit dem Spatenstich am 11. Dezember 2013 wird das Zeichen für den Beginn des Baus des Ellinor-Holland-Hauses gesetzt. Mitte 2015 zum 50-jährigen Jubiläum der Kartei der Not soll das Haus bezugsfertig sein.



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„Die Not vor unserer Haustür geht uns alle an.“ Ellinor Holland
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Ellinor-Holland-Haus
Susanne Weinreich
Otto-Lindenmeyer-Str. 45
86153 Augsburg
Telefon: 0821-6502320
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Das Ellinor-Holland-Haus hilft im Rahmen eines gemeinschaftlichen zeitlich befristeten betreuten Wohnens Menschen in Krisensituationen.

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